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Die Kuhmilchallergie – nicht immer leicht zu erkennen

Bei der Kuhmilchallergie gibt es selten nur ein einziges Symptom, welches sofort den Verdacht auf eine Kuhmilchallergie auslöst. Dieser Umstand erschwert auch die richtige Diagnose und so dauert es oft sehr lange bis den Kleinen durch Therapienahrung geholfen werden kann.

Kinderärzte verbinden zwar bestimmte Symptome wie chronischen Durchfall mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Allergie, andere Symptome wie z.B. Verstopfung oder Ekzeme und Ausschlag oder gar Atemwegsprobleme werden aber nur seltener auf eine Allergie zurückgeführt. Erschwerend kommt hinzu, dass Tests für die Nachweisbarkeit einer Allergie aufwendig und nicht immer eindeutig ist. Häufig kommt es vor, dass die Kuhmilchallergie nicht als solche erkannt wird und deshalb nicht adäquat therapiert wird.

Es gibt verschiedene Allergieformen – das macht es komplizierter
Wir unterscheiden verschiedene Formen der Nahrungsmittelallergie. Sofortreaktionen, die sich unmittelbar nach der Aufnahme eines Allergens zeigen, sind meist IgE vermittelt. IgE sind spezielle Antikörper des Immunsystems, die sich bei einer Allergie bilden. Es finden sich dann in den Bluttests positive IgE Werte. Auch die sogenannten Haut-Prick-Tests zeigen eine sofortige Reaktion, wenn das Allergen mit einer Lanzette in die oberen Hautschichten gebracht wird. Nicht-IgE vermittelte Reaktionen zeigen sich meist als Spätreaktion, d.h. verzögert und erst Stunden oder Tage nach der Allergenaufnahme (z.B. Ekzemverschlechterung). Sie lassen sich im Blut nicht nachweisen, machen aber einen großen Teil der Allergien bei Babys aus.

Blut- und Hauttests sind nicht immer sicher
Im Bluttest lassen sich nur die IgE vermittelten Allergien nachweisen. Aber auch hier zeigen nur sehr hohe Werte eine sichere Allergie. Niedrige Werte haben manchmal für den Alltag keine Bedeutung, da die Nahrungsmittel in kleineren Mengen gut vertragen werden. Bei letzteren sollte eine Eliminationsdiät zur Bestätigung oder zum Ausschluss der Allergie erfolgen. Die nicht-IgE vermittelten Allergien zeigen sich nicht anhand von Bluttests. Gerade bei kleinen Kindern sind diese jedoch häufig.
Es gibt also grundsätzlich leider keinen sicheren und einfachen Test für die Diagnose der Kuhmilchallergie.

Eliminationsdiät – für ein sicheres Erkennen einer Kuhmilchallergie
Kinderärzte empfehlen bei Verdacht auf eine Kuhmilchallergie eine kuhmilchfreie Eliminationsdiät (Auslassdiät). Das bedeutet, dass alle Kuhmilchbestandteile aus der Ernährung des Kindes „eliminiert“ werden. Auch normale Säuglingsmilchnahrungen basieren auf Kuhmilch und dürfen nicht verwendet werden. Das klingt kompliziert, ist aber einfacher als gedacht. Da Milch für Babys die wichtigste Nährstoffquelle ist, muss für einen kuhmilchfreien Ersatz gesorgt werden. Spezialmilchen wie beispielsweise Neocate oder Aptamil Pregomin AS basieren auf nicht-allergenen Eiweißkomponenten und eignen sich hervorragend für den Milchersatz bei Kuhmilchallergie. Diese Nahrungen versorgen das Baby mit allen notwendigen Nährstoffen und geben Sicherheit im Erkennen der Kuhmilchallergie. Hypoallergene Nahrungen (H.A. Nahrungen) aus dem Drogeriemarkt dienen lediglich der Allergieprävention und enthalten Restallergene aus der Milch und eigenen sich nicht bei Verdacht auf eine Kuhmilchallergie.

Sojanahrungen sind aufgrund ihres hohen Allergiepotentials und ihrer hormonähnlichen Inhaltsstoffe nicht zur Ernährung von Säuglingen mit Kuhmilchallergie geeignet. Kinderärzte lehnen neben den Sojanahrungen auch alle sogenannten „Alternativmilchen“ von Stute oder Ziege ab, denn diese entsprechen nicht den Anforderungen an eine Säuglingsmilch. Bei Verdacht auf eine Kuhmilchallergie sollten nur Spezialnahrungen verwendet werden. Am sichersten sind Nahrungen ganz ohne Restallergene aus der Kuhmilch, wie Neocate oder Aptamil Pregomin AS. Bitte führen Sie eine Eliminationsdiät nur nach Absprache mit ihrem behandelnden Kinderarzt und unter dessen Aufsicht durch.

Eliminationsdiät der stillenden Mutter
Babys, die ausschließlich gestillt werden, können auch von einer Kuhmilchallergie betroffen sein, denn die Allergene aus der Ernährung der Mutter können über die Milch auf das Kind übertragen werden. Vermutet dies der Kinderarzt, so sollte die Mutter selbst eine kuhmilchfreie Eliminationsdiät über einige Tage bis max. 4 Wochen durchführen. Bessern sich darunter die Symptome wird die Mutter mit dem Kinderarzt besprechen, wie weiter vorgegangen wird. Eine längerfristige Einschränkung in der mütterlichen Diät erfordert eine gute Ernährungsberatung, damit Mutter und Kind auch weiterhin gut versorgt werden. Bessern sich die Symptome nicht und besteht trotzdem weiterhin der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, so kann die Mutter versuchsweise ihre Milch für einige Zeit abpumpen und dem Kind eine Ersatznahrung wie Neocate oder Aptamil Pregomin AS füttern. Bessern sich darunter die Symptome ist eine Nahrungsmittelallergie sehr wahrscheinlich. Die Eltern besprechen dann mit dem Kinderarzt das weitere Vorgehen. Verzichtet die Mutter während eines längeren Zeitraums auf Milch oder andere Lebensmittel, so sollte eine Ernährungsberatung helfen, den Nährstoffbedarf von Mutter und Kind zu decken. Bessern sich die Symptome nicht, kann eine Kuhmilchallergie ausgeschlossen werden und die Mutter kann ohne diätetische Einschränkungen weiter stillen.

Liste von einigen Lebensmitteln mit Milchinhaltsstoffen:
  • Säuglingsmilchnahrungen (auch H.A. Nahrungen)
  • Kuhmilch (auch Produkte "Minus Laktose"), Sahne, Quark, Joghurt, Käse, Molke, Kakao
  • Gebäck, Süßigkeiten, Schokolade, Weichlakritz, Desserts
  • Wurstwaren, Würstchen, Leberwurst, gekochter Schinken

Wie lange dauert die Eliminationsdiät?
Die Kleinen werden kuhmilchfrei ernährt und bekommen die Spezialnahrung für einen Zeitraum von 1-4 Wochen. Es ist ganz wichtig, dass keinerlei Milch oder Milchprodukte in dieser Zeit verzehrt werden.

Wann bemerke ich, ob die Eliminationsdiät erfolgreich ist?
Meist bessern sich die Symptome bei Kuhmilchallergie rasch und schon nach einigen Tagen bemerken die Eltern ein erstes Ergebnis. Viele Eltern beobachten zunächst eine Verhaltensänderung bei Ihrem Kind. Es wird fröhlicher und ausgeglichener. Bis wirklich alle Symptome verschwunden sind, dauert es maximal einige Wochen. Sollte das Kind während der Eliminationsdiät Zähnchen bekommen, einen Infekt haben oder besondere Ereignisse stattfinden, sollte die Eliminationsdiät etwas verlängert werden.

Wann wird die Eliminationsdiät beendet?
Zeigen sich auch nach Wochen keinerlei Besserungen, so ist eine Kuhmilchallergie unwahrscheinlich und es muss nach anderen Ursachen gesucht werden. Manchmal ist es notwendig, einen Spezialisten zu Rate zu ziehen. Der Kinderarzt hilft hier gern weiter, einen Kindergastroenterologen oder einen geeigneten Hautarzt zu finden.

Bessern sich die Symptome unter der Eliminationsdiät so wird der Kinderarzt noch einmal mittels einer Provokation überprüfen, ob es tatsächlich die Milch ist, die die Probleme beim Baby verursacht.

Provokation mit Kuhmilch – zur Absicherung der Diagnose
Damit wirklich sichergestellt ist, dass die Kuhmilch die Symptome bei Ihrem Baby hervorruft und diese nicht zufällig unter der Diät besser geworden sind, wird unter der Aufsicht des Kinderarztes  eine orale Provokation mit Kuhmilch durchgeführt. Das bedeutet, dass das Baby mit Kuhmilch gefüttert und eine Reaktion abgewartet wird. Hatte das Baby eindeutige Sofortreaktionen oder einen sehr hohen IgE Wert im Blut, ist die Diagnose auch ohne Provokation eindeutig. Um das Kind nicht unnötig weiteren Belastungen auszusetzten sollte bei sehr heftigen Reaktionen des Kindes auf Milch nicht provoziert werden. In diesen Fällen schließt sich sofort die kuhmilchfreie Eliminationsdiät für die Ernährung des Kindes in den nächsten Monaten an.

Da sich die Kuhmilchallergie bei den meisten Babys nach einigen Monaten bis spätestens im Schulalter wieder verwächst wird zur Überprüfung des Fortbestehens der Allergie eine erneute Provokation unter ärztlicher Aufsicht nach 6 – 18 Monaten wiederholt.

Bitte achten Sie darauf, dass Ihr Baby während der Eliminationsdiät keinerlei Milch oder Milchprodukte zu sich nimmt. Informieren Sie bitte auch Oma und Opa oder andere Personen, die das Kind betreuen. Auch Geschwister sollten angehalten werden, keinerlei Leckereien mit Milchinhaltsstoffen weiterzugeben.

Eine Nahrungsmittelallergie ist immer eine immunologische Reaktion. Trotzdem lassen sich die nicht-IgE vermittelten Allergien im Blut nicht nachweisen.


Oft verwechselt: Kuhmilchallergie und Milchzuckerunverträglichkeit

Die Milchzucker- oder Laktose-Intoleranz ist keine allergische Erkrankung, sondern „nur“ eine Unverträglichkeit gegenüber dem Milchzucker (Laktose). Laktose ist in der Muttermilch oder in normalen Säuglingsnahrungen enthalten. Deshalb kommt es bei bestehender Intoleranz auch bei gestillten Kindern zu Symptomen. Bei der Laktoseintoleranz kann der Milchzucker (Laktose) im Darm nicht aufgespalten werden, gelangt dann unverdaut in den Dickdarm und wird von den natürlichen Darmbakterien abgebaut. Als Folge kommt es zu Bauchweh, Durchfall und Blähungen.

Die Laktose-Intoleranz tritt in den meisten Fällen aber erst im Schulalter auf. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Kuhmilchallergie sehr viel häufiger. Sie ist also mit höherer Wahrscheinlichkeit für die Symptome Ihres Babys verantwortlich und sollte zuerst bestätigt oder ausgeschlossen werden. Ein Kindergastroenterologe hilft bei der Diagnose gern weiter.

Die Symptome beider Störungen sind ähnlich und werden daher oft verwechselt.  Bei einer Nahrungsmittelallergie kommt es zu Entzündungen der Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes. Das verursacht Schmerzen und beeinträchtigt die Nährstoffaufnahme im Darm. Die Kuhmilchallergie kann sich darüber hinaus auch an anderen Organsystemen wie der Haut oder den Atemwegen manifestieren. Das macht es so schwierig, sie zu erkennen. Haut- oder Atemwegsprobleme kommen bei einer Laktoseintoleranz nicht vor.